Was mache ich, was macht die KI?
„KI ist hier, um uns von Routinearbeiten zu befreien, und sie ist hier, um uns daran zu erinnern, was es ist, das uns menschlich macht.“ – Kai-Fu Lee
Sie wollten schon immer mal Chef sein? In Zukunft können Sie nicht nur, Sie müssen. Was Marc Benioff hier anspricht, gilt nicht nur für Führungskräfte großer Unternehmen. Jeder Arbeitnehmer wird in Zukunft Teamarbeiter – und Manager von Algorithmen.
Das Ziel eines Managers: Dafür zu sorgen, dass die gesamte Organisation möglichst viel Leistung erbringt.
„Management ist die Kunst, drei Leute dazu zu bringen, die Arbeit von drei Leuten zu tun.“ – William Feather, US-amerikanischer Autor.
Wie funktioniert das, wenn man ein Team von Algorithmen anführt? Muss alle Management-Theorie neu geschrieben werden? Wie arbeitet ein solcher Manager in Zukunft? Wie arbeitet er so, dass seine Arbeit mit KI effizient ist und er gleichzeitig eine wichtige Rolle behält, die nicht ersetzbar ist?
Dafür definieren wir zunächst die verschiedenen Arten, mit KI zu arbeiten.
KI als Werkzeug
Die KI führt auf Befehl Aufgaben aus - wie die Erstellung eines Bildes mit Midjourney oder die Zusammenfassung eines Dokuments mit ChatGPT.
Die Arbeitsweise kann man gut mit einem ‚Food Truck‘ vergleichen, in dem nur eine Person arbeitet: Der Koch ist hier für alles zuständig – von der Vorbereitung der Zutaten über die Zubereitung, den Service, die Sauberkeit der Küche etc. KI ist in diesem Fall nur die Herdplatte, die Mikrowelle oder der Standmixer – Tools, die immer nur dann arbeiten, wenn der Koch sie bedient. Deswegen gibt es zu Stoßzeiten eine Schlange vor den Foodtrucks – paralleles Arbeiten ist nicht möglich.
So kennen die meisten heute künstliche Intelligenz: Ein Transformer-Modell wie ChatGPT, das darauf wartet, dass der Mensch sie bedient – und nichts tut, wenn vom Menschen keine Anweisung kommt. Es ist die ineffizienteste Art, künstliche Intelligenz zu benutzen. Sie wird für Sie und Ihr Unternehmen geringe oder keine Sparpotenziale bringen, weil sie möglicherweise mehr Aufwand erzeugt als andere manuelle Arbeitsweisen, die über Jahre trainiert wurden. Sie sollten so schnell wie möglich über diese Phase der KI-Nutzung hinauskommen.
Denn mit dem bloßen Einsatz von KI als Werkzeug werden wir schnell von der Konkurrenz überholt. Künstliche Intelligenz ist für die Augmentierung und Automation von Arbeit gemacht.

KI als Co-Pilot
KI unterstützt den Menschen in Echtzeit mit teilweise autonomer Arbeit. Sie liefert Vorschläge, analysiert Daten parallel zur menschlichen Arbeit und erweitert so die menschlichen Fähigkeiten.
KI als Co-Pilot lässt sich am besten mit einer gut funktionierenden Restaurantküche illustrieren: Der Mensch ist in diesem System der ‚Chef de Cuisine‘, er trägt die Gesamtverantwortung für die Küche und ist das Aushängeschild des Restaurants.
Dann gibt es verschiedene Einzelaufgaben, die parallel erledigt werden müssen, damit die bestellten Mahlzeiten so schnell wie möglich auf den Tisch kommen. Für alle diese Aufgaben gibt es Spezialisten:
Der ‚Sous Chef‘, der die Abläufe in der Küche koordiniert, der ‚Chef de Partie‘, der ‚Saucier‘, der ausschließlich Soßen zubereitet, der ‚Gardemanger‘, der sich um die kalten Speisen kümmert, der ‚Hors-d’oeuvrier‘, der die Vorspeisen vorbereitet, der ‚Pâtissier‘ und eine Reihe von Hilfsköchen.
Dies sind die Co-Piloten. In der ‚KI-Küche‘ sind dies so genannte Agenten, die komplette Arbeitsabläufe übernehmen und dem Chefkoch zuarbeiten, um pünktlich das perfekte Menü anzubieten.
Die wichtigste Fähigkeit des Chefkochs ist, zur richtigen Zeit in der richtigen Form alle Helfer anzuleiten. Er ist Stratege und Kommunikator. Die Anweisungen müssen in der richtigen Reihenfolge kommen und richtig kommuniziert werden, sonst wird aus der perfekt funktionierenden Küche ein wirkungsloses Durcheinander.
Wenn der Chefkoch zu viel selbst macht (Micro-Management) bleibt die Arbeit ineffizient. Wenn er nicht gut kommuniziert, wird die Arbeit nicht richtig erledigt.
Die Arbeit des Chefkochs ist nichts anderes als Prompting in der Ära der KI und die Fähigkeit, einfache Agenten auf den Weg zu bringen. Letztendlich wartet KI als Co-Pilot immer auf die Befehle des Chefkochs.
Wie man am Beispiel der Restaurantküche sofort erkennen kann, ist die Arbeitsweise mit KI als Co-Pilot zwar produktiver als die Arbeitsweise mit KI als Werkzeug. Aber sie setzt den Menschen unter Druck: Das System braucht ständig neue Anweisungen. Wenn der Mensch schläft, im Urlaub ist oder krank kann das System nicht arbeiten.
KI als autonomer Kollege
Nach diesem Prinzip wird dem KI-Agenten eine Aufgabe oder ein Ziel delegiert, an dem sie selbstständig arbeitet. Dieser ‚Kollege‘ meldet sich erst mit dem fertigen Ergebnis zurück. Sie entscheiden, was dieser autonome Kollege selbst machen darf, und wann er ihre Entscheidungen abwarten muss.
Diese Arbeitsweise ist am besten mit einem voll automatisierten Restaurant zu vergleichen. Der Mensch ist weiterhin das Aushängeschild nach außen, übernimmt aber ausschließlich strategische Entscheidungen: Welche Speisen bieten wir heute an? Zu welchen Preisen? Wie werden die Menüs präsentiert? Wie wird die Werbung aussehen?
Aber könnte die KI nicht auch den Speiseplan, die Preisgestaltung und die Werbebotschaften übernehmen? Natürlich könnte sie das – teilweise sogar sehr gut. Aber unsere Aufgabe ist auch, die Rolle des Menschen zu definieren. Und die beste Rolle des Menschen ist, als Schnittstelle zu anderen Menschen im System zu arbeiten: Den Kunden des Restaurants.
Wenn wir den Menschen für die Ära der KI bauen wollen, bauen wir den Menschen, der mit KI als autonomen Kollegen funktionieren kann.
Das erfordert einiges Umdenken und die Anpassung an Arbeits- und Verhaltensweisen, die uns jetzt noch sehr fremd erscheinen.
„Es geht nicht darum, weniger zu arbeiten. Es geht darum, besser zu arbeiten.“[i] Rechtsanwalt auf Reddit
Wie würde denn ein typischer Arbeitstag mit diesen verschiedenen Rollenverteilungen aussehen?
[i] https://www.reddit.com/r/ArtificialInteligence/comments/1i5udip/im_a_lawyer_ai_has_changed_my_legal_practice/